Wie du Zero Waste und ein nachhaltiges Leben auch auf Reisen in den Griff bekommst

Wenn wir unterwegs auf Reisen sind, dann ist das oft mit einigen Einschränkungen verbunden. Zum Beispiel ist es nicht selbstverständlich, dass der örtliche Lebensmittelladen auch Milch in Flaschen anbietet oder die Mülltrennung ist nicht vorhanden und wir müssen uns den Gegebenheiten des Landes anpassen. Es ist auf der einen Seite sehr schön, mal aus dem gewohnten Alltagstrott auszubrechen und neue Eindrücke zu gewinnen, aber es ist auch eine Herausforderung, wenn man wie wir ein weitestgehend plastikfreies und Zero Waste Lifestyle lebt. Denn Urlaub oder eine Geschäftsreise ist noch lange kein Grund den Umweltschutz über Board zu werfen. Im Gegenteil, was zu Hause einfach funktioniert, kann doch im Urlaub nicht so schwer sein.

Ich habe mal unsere letzte Reise Revue passieren lassen und einige Tipps zusammengestellt. Das A&O ist dabei sicherlich die Vorbereitung und ein bisschen Planung, den vorbeugendes Handeln funktioniert nicht nur zu Hause sondern auch außerhalb unserer 4-Wände.

Vor der Abreise

Transportmittel, Wege und Dauer achtsam auswählen

Ich glaube, mittlerweile hat es sich schon rumgesprochen, dass Fliegen eine ziemlich miese Umweltbilanz hat. Trotzdem reise ich sehr, sehr gerne, den diese Reisen zeigen mir eine globale Welt, die durch unser lokales Handeln beeinflusst wird. Ich sehe Zusammenhänge in der Natur und lerne wundervolle Menschen und Landschaften kennen. Aber wir alle können eine Balance schaffen, zwischen unserem nachhaltigem Leben, den regionalen Grenzen und der jeweils eigenen Notwendigkeit. Mit anderen Worten, sollte jeder gut überlegen, wann er den Flieger nutzt und wie oft man fliegt. Wann immer es möglich ist, ist Zugfahren oder in Geschäftsfällen vielleicht eine Videokonferenz die bessere Alternative, so dass die Flugstrecken auf ein Mindestmaß reduziert sind. Wenn dann eine weitere Reise per Flugzeug ansteht, sollte die Dauer durch Direktflüge möglichst minimiert werden.

Unterkunft in zentraler Lage und Selbstversorgung

Genauso wichtig wie zu Hause, ist auch am Urlaubsort eine Infrastruktur, die ein umweltbewusstes Handeln ermöglicht. Eine solche Infrastruktur wie öffentliche Verkehrsmittel, fußläufig zu erreichende, lokale Wochenmärkte und Lebensmittelgeschäfte, Restaurants und Sehenswürdigkeiten, findet man nur bei Unterkünften in zentraler Lage. Wir bevorzugen meistens auch kleine Apartments mit einer eigenen Küche, um uns überwiegend selbst zu versorgen. Das spart nicht nur Geld sondern auch Müll, der sonst in den großen Hotelanlagen meistens bergeweise anfällt.

Tickets, Buchungsbestätigungen, Passwörter und Co.

Um der Papierflut Einhalt zu gebieten, die sich unweigerlich bei jeder Reise ansammelt, bin ich ein großer Fan von elektronischen Tickets und Buchungsbestätigungen. Falls die Sorge auftritt, dass jemand an deine privaten Daten kommt oder du ständig am Suchen bist, kannst du dir einfach eine eigene Reise-Mail-Adresse zu legen, an die du alle nötigen Unterlagen schickst und für die du dir auf deinem Mobiltelefon einen direkten Login einrichtest. Damit hast du alles wichtige ganz schnell im Zugriff.

E-Reader statt Taschenbuch einpacken

Wie oft kauft man vor dem Urlaub noch mal 2-3 Krimis oder Romane im Taschenbuchformat, um sie dann nach dem Urlaub nie wieder in die Hand zu nehmen, da der Inhalt ja bekannt ist und die Spannung verflogen. Ich nutze seit langem schon einen E-Reader, auf den ich verschiedene Bücher lade. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich mit leichterem Gepäck reise und bei Bedarf problemlos ein Buch meiner Stimmung entsprechend finde. Notfalls kann ich immer ein neues online kaufen. Zurück aus dem Urlaub muss ich dann außerdem nicht erst mühsam Platz im Regal schaffen für Bücher, die ich bereits gelesen habe.

Minimalistisch packen

Beim nachhaltigen Leben geht es ja darum, jede unnötige Belastung so weit wie möglich zu vermeiden. Dazu gehört für mich auch die Vermeidung von zu viel Gepäck. Seien wir doch mal ehrlich, jedes Mal nach dem Urlaub steht man vor einem riesigen Wäscheberg und weiß, dass die Hälfte der Klamotten gar nicht getragen wurden. Komisch riechen tun sie trotzdem und zerknittert sind sie auch noch, also ab in die Wäsche. Das Wasser, das Waschmittel und deine wertvolle Zeit für all die Hausarbeit kannst du gut sparen, indem du vorab genau planst was du mitnimmst. Stelle dir einfach ein paar wenige Outfits zusammen, die untereinander kombinierbar sind und im Notfall wird von Hand etwas ausgewaschen. Das Schöne daran ist, nicht nur die Erleichterung bei der Hausarbeit, sondern auch die Schlepperei unterwegs entfällt. Kein umständliches Koffer aus dem Taxi heben, kein entschuldigendes Lächeln, wenn der nette Hotelangestellte den Koffer die Treppe hoch wuchtet. Statt dessen ein souveränes und leichtes Urlaubsgefühl und Entspannung.
Für die Urlaubsalternative, bei der selber gekocht werden kann, fülle ich zu Hause immer die wichtigsten Gewürze in kleine Schraubgläser und packe mir Verbrauchsmaterialien wie Geschirrspülmittel, Seife und so ein. Wichtig ist auch das eine oder andere Vorratsglas und eine Dose dabei zu haben, um Reste aufzubewahren. 

Während der An- und Abreise

Trinkflasche immer dabei haben

Wenn wir fliegen dann fahre ich meistens mit meiner leeren Trinkflasche zum Flughafen, gehe entspannt durch die Sicherheitskontrollen und fülle danach meine Flasche mit Wasser auf. An den meisten Flughäfen gibt es spezielle Trinkbrunnen mit extra Wasserhahn für die Trinkflaschen, so dass man kostenlos auffüllen kann. Wenn ich mir die Müllberge an den Sicherheitskontrollen anschaue und die Preise für eine 0,5l Wasserflasche im Wartebereich dahinter, dann frage ich mich immer, warum nicht alle Menschen auf die Idee kommen? Der Vorteil der eigenen Trinkflasche ist auch, dass die Stewardessen im Flieger diese auch gerne auffüllen, da sie dann nicht alle Nase lang wegen Nachschub vorbei kommen müssen und ich freue ich über den Müll, den wir vermieden haben.

Kostenlose Zeitschriften, Zeitungen und sonstige Wegwerfartikel ablehnen

Irgendwie haben sich die meisten (Flug-)reisen zu einem wahren Wegwerfreisen entwickelt. Überall gibt es kostenlose Zeitschriften, die mal kurz angelesen werden und dann im Wartebereich liegen bleiben, bis eine Reinigungskraft sie entsorgt. Es gibt Servietten, Tüten, Mini-Zuckerbeutel oder Milchdöschen, Papierhandtücher, Essensverpackungen und noch viel mehr. Wer einmal angefangen hat auf Nachhaltigkeit und Zero Waste zu achten, wird schnell feststellen, dass die meiste Reisezeit von Unmengen an überflüssigem Müll begleitet ist. Stattdessen, kann man seine Bücher oder Zeitschriften doch auf dem E-Reader lesen, seinen Snack in der Wartehalle in einer Lunchbox mitbringen oder sich Äpfel für unterwegs einpacken. Für das Heißgetränk haben wir unsere Thermobecher dabei und statt Zuckertüten fragen wir nach einem Zuckerstreuer. Im Flieger selbst nutzen wir unsere eigenen Kopfkissen, einen großen Schal als Decke und die Kopfhörer vom Telefon statt der ausgehändigten Einwegkopfhörer.

Eine durchsichtige, wiederverwendbare Tasche oder die Ziplogbeutel aufheben

Jeder kennt das Problem, vor allem wenn man nur mit Handgepäck unterwegs ist, dass die Kosmetiksachen in einen Plastikbeutel gepackt werden müssen. An dem Punkt freue ich mich immer über meine Zahnputztabletten, Trockenshampoo und Seife, denn das erleichtert schon mal einiges. Für den Rest, wie zum Beispiel meine Allergiemedikamente, die in Flaschen sind,  hebe ich seit längerem schon einige Plastikbeutel auf, die ich immer wieder auf Reise nutze und auswasche. Es gibt aber auch durchsichtige, wasserdichte, wiederverwendbare Taschen, die man sich für den Fall kaufen könnte und immer wieder einsetzt. Es macht die Sicherheitskontrolle einfacher, da dort in der Regel keine Diskussion erwünscht ist. 

Am Aufenthaltsort

Lebensmittel vor Ort einkaufen

Im Prinzip kaufen wir die Lebensmittel an unserem Urlaubsort genauso ein wie zu Hause. Wir verwenden Mehrwegbehälter so weit als möglich und die meisten Lebensmittel besorgen wir auf dem Wochenmarkt. Wir nehmen unsere Baumwolltaschen, Lunchboxen und Netzte mit. Kaufen Brot beim lokalen Bäcker und wenn möglich besorgen wir das Fleisch in Bioqualität bei einem Metzger oder verzichten ganz auf Fleisch. Oft gibt es lokale Spezialitäten, die ohnehin viel besser schmecken, denn regionales Essen ist meistens das Beste und unverzichtbar für das einmalige Urlaubsgefühl. Darauf würde ich nie verzichten.

Unterwegs ein Eis und zum Abendessen ins Restaurant

Das Wichtigste auf den Reisen ist, diese zu genießen und dazu gehört es auch mal ein Eis zu essen und im Restaurant essen zu gehen, statt zu kochen. Was wir aber vermeiden, ist zum Beispiel Eis aus dem Becher mit Plastiklöffel oder Essen in einem Schnellrestaurant mit eigenen Verpackungen und ganz viel Müll. Stattdessen gibt es Eis in der Waffel und beim Restaurantbesuch setzen wir uns gemütlich hin, bestellen nur so viel wie wir essen können und lehnen Wegwerfprodukte wie Strohhalme, Miniportionen Ketchup oder Majo, Servietten oder Einweg-Essstäbchen ab. In der Regel ist es kein Problem alles auch auf einem normalem Teller oder einer kleinen Schale zu bekommen oder es ist ohnehin unsinnig, wie zum Beispiel Strohhalme und Cocktailrührer, so dass man getrost darauf verzichten kann.

Sonnenschutz und Sonnencreme mit mineralischem statt chemischem Filter

Grundsätzlich trage ich im Gesicht immer einen Sonnenschutz auf, da meine Haut ansonsten leider zu unschönen, dunklen Flecken neigt. Irgendwie ist das Thema Sonnenschutz auch ein Thema, wo die Sorge vor Hautkrebs, die Sorge um die Umwelt und ein Vitamin-D Mangel nicht auf einen Nenner zu bringen sind. Persönlich mache ich es so, dass ich am Strand zusätzlich ein UV-Shirt zum Schwimmen trage und weitestgehend im Schatten bleibe oder einen Hut trage. Mit konventioneller Sonnencreme creme ich mich ansonsten nicht ein, da beim Schwimmen im Meer sonst zu viel Sonnencreme mit chemischem Filter ins Wasser kommt. Der chemische Filter steht nicht nur im Verdacht bei uns Menschen Allergien und Krebserzeugend zu sein, sondern er schädigt auch das Ökosystem im Meer. An immer mehr Stränden sind Sonnencremes grundsätzlich verboten, um die empfindliche Unterwasserwelt zu bewahren. Beim Kauf von Sonnencreme, egal ob mineralisch oder chemischer Filter, solltet ihr immer darauf achten, unbedingt Biokosmetik auszusuchen.

Und für alle Urlaubstage gilt natürlich - Spaß haben, Land & Leute kennenlernen und Erholen. Schreib mir, wie du Zero Waste & Nachhaltigkeit im Urlaub und Unterwegs handhabst.

 

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