7 Arten von nachhaltigen Lebensstilen - zu welchem gehörst Du? {Teil 1 - Zero Waste}

Heute startet meine Blogserie „7 Arten von nachhaltigen Lebensstilen“ in der ich dir verschiedene nachhaltige Lebensstile vorstellen möchte, damit du für dich entscheiden kannst, ob und mit welchem du vielleicht einsteigen willst. Finde heraus, welcher Lebensstil dir am ehesten entspricht, sodass du das Thema weiter vertiefen kannst. Es wird dabei in den nächsten Beiträgen um Minimalismus, LOHAS, Frugalisten, Leben ohne Plastik und Clean Eating, Slow Culture gehen. Los geht’s heute mit Zero Waste.

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Spannend finde ich immer wieder, dass alle Lebensstile große Unterschiede haben. Aber es gibt auch Überschneidungen, sodass die Abgrenzung manchmal nicht ganz klar ist. Zum Beispiel leben viele Leute, die auf Zero Waste achten auch ohne Plastik und praktizieren Clean Eating. Was du aber auf alle Fälle erkennen wirst, ist das alle diese Lebenskonzepte auf Achtsamkeit basieren und nicht einfach einen Alltag mit Arbeit von 9-5 mit anschließendem Fernsehkonsum oder endlosem Shopping im Internet bedeuten, sondern diese Lebenskonzepte bieten Alternativen und können dich dabei unterstützen für dich ein zufriedenes Leben aufzubauen.

 

Wodurch zeichnet sich ein Zero Waste Lebensstil aus?

Der Grundgedanke dieses Lebensstiles ist die Vermeidung von Müll! Denn auch wenn wir in Deutschland ein gut ausgebautes Recyclingsystem haben, so ist es nicht möglich alles wieder zu verwerten. Fakt ist, dass nur ein geringer Teil unseres Mülls tatsächlich wieder zu neuen Produkten wird, weil einfach aufgrund der Art und Weise, wie die Produkte designed und hergestellt wurden, das Trennen der einzelnen Rohstoffe nicht mehr möglich ist. Ein Leben im Zero Waste Stil bedeutet also das du zuallererst Müll vermeidest und wenn es nicht möglich ist oder dein Leben unnötig verkompliziert, dann wähle Verpackungen oder Produkte, die kompostierbar sind oder anderweitig verwendet werden können.

Zero Waste lässt uns unsere eigene Kraft, etwas zu bewegen, spüren, indem es die Herausforderungen, vor denen wir stehen frontal angeht.
— Bea Johnson aus Glücklich leben ohne Müll

 

Das Grundprinzip im Alltag sind die 5R's:

  1. Refuse (Ablehnen)

  2. Reduce (Reduzieren)

  3. Reuse (Wiederverwenden)

  4. Recycle (Recyceln)

  5. Rot (Verrotten)

Als ich begonnen habe mich mit Zero Waste zu beschäftigen, ist mir erstmal bewusst geworden, wieviele Dinge eigentlich jeden Tag den Weg in unsere Wohnung finden, die wir als Familie dann wieder entsorgen müssen. Das Schöne am Zero Waste Lifestyle ist, dass man sehr viel seltener den Müll raus bringen muss. Es gibt einfach kaum noch welchen. Den Kosmetikeimer im Bad, der oft ein Sammelsurium von allem möglichem Abfall war, ist abgeschafft. Der restliche Müll, der noch anfällt, wird strikt getrennt und recycled. Einen Restmülleimer brauchen wir nicht mehr. Durch das Vermeiden von Müll und den achtsamen Umgang damit welche Dinge in unser Zuhause kommen, ist unser Leben vereinfacht. Es gibt uns als Familie auch das Gefühl, etwas zu bewirken und beizutragen.

Der Einstieg in den Zero Waste Lebensstil war relativ einfach und schnell gemacht. Sobald du beginnst, zum Beispiel die Kassenzettel abzulehnen, die kostenlosen Flyer dankend zurückgibst, konsequent Mehrweg statt Einweg zum Beispiel bei Joghurt, Milch und Getränken kaufst, hast du schon einen riesigen Schritt getan und bist auf dem Weg in ein einfach nachhaltiges Leben. Unser Müll passt noch lange nicht in ein Marmeladenglas am Ende des Jahres und wenn ich ehrlich bin, finde ich dieses Quantitative messen auch schon wieder zu extrem, denn es blendet alles rundherum aus. Viel wichtiger ist es eine Balance zu finden und in seinen Entscheidungen konsequent zu sein. Unser Ziel ist es ja einfach nachhaltig zu leben. 

 

Warum solltest du Zero Waste leben?

  • Du schonst die Umwelt

  • Du sparst Geld

  • Du reduzierst den CO2 Ausstoß

  • Du vereinfachst dein Leben

  • Du setzt ein Zeichen durch dein Kaufverhalten

Wir Deutschen sind leider an Platz 1, wenn es um Müll geht. 220,5 kg Verpackungsabfall produzieren wir alle pro Kopf und liegen damit weit über dem EU-Durchschnitt. Wenn man durch den Supermarkt geht, dann sind fast alle Produkte in Plastik eingepackt. Selbst die berühmte Bio-Gurke ist noch mal umhüllt. Nach so einem Einkauf zu Hause angekommen, packen wir aus und werfen weg. Ist dir schon mal aufgefallen, wie voll dein Mülleimer nach einem ganz normalen Einkauf ist? Was passiert mit all dem Müll und warum müssen dafür so viele Ressourcen verwendet werden, wenn sie ohnehin schon immer knapper werden. Der Anbau von Obst und Gemüse verbraucht immer Wasser und andere Rohstoffe. Mit den völlig unnützen Verpackungen machen wir das ganze nur noch schlimmer. Wofür? An diesem Punkt, sollten wir wirklich mal unsere Macht als Konsumenten ausüben, denn die Antwort auf das Warum ist die Logistik und die Handhabung des Handels, sowie der Nutzen, den Verpackungen für das Produkt-Marketing haben. Es werden Verkaufseinheiten definiert, die uns dazu verleiten sollen mehr zu kaufen, als wir oftmals brauchen. Heißt, wir sollen nicht frei entscheiden können, ob wir nur 1 oder 2 Zitronen kaufen, sondern wir sollen gleich 4 kaufen. Egal ob wir sie brauchen oder nicht. Es geht um Verkaufszahlen und nicht unbedingt um Qualität oder einer Verbesserung für uns.

Wenn du auf die Reduzierung des Mülls durch den Einkauf von unverpackten Waren achtest, dann kaufst du automatisch nur das, was du wirklich brauchst. Mir ist es schon oft passiert, dass ich zum Beispiel auch durch die Dosen und Gläser, die ich beim Einkauf dabei hatte, einfach gar nicht mehr kaufen konnte. Ich überlege mir sehr genau, was ich brauche und dafür nehme ich dann die entsprechenden Gefässe mit, ein impulsartiges Kaufen nur, weil ich gerade hungrig bin, fällt dadurch weg. Damit habe ich mir schon so manchen Fehlkauf erspart.

Fehlkäufe kosten Geld und produzieren Müll, beides vermeide ich damit. Ein weiterer Aspekt, der dein Haushaltsbudget entlasten kann ist, dass durch Zero Waste deine Mülltonnen kleiner werden können oder vielleicht ganz wegfallen. Die Zeit, die du nicht mehr damit verbringst und das Geld, das du durch den Lebensstil gewinnst, kannst du für Erlebnisse mit deiner Familie, mit Freunden, für dich selbst verwenden.

 

Tipps zum Einstieg in dein Leben mit Zero Waste

Der Einstieg in das Zero Waste Leben ist einfach und schnell gemacht. Es wird jedoch komplizierter wenn man zu perfektionistisch an das Thema ran geht und dann sich selbst und das Umfeld überfordert. Meiner Meinung nach ist Zero Waste ein sehr großes Ziel. Minimal Waste trifft es fast besser und nimmt den Druck des "perfekt sein müssen" raus. Im Sinne eines einfachen, nachhaltigen Lebens, würde ich dafür plädieren, dass wir von Minimal Waste sprechen.

Es ist besser, unvollkommen zu beginnen, als perfekt zu zögern.
— Bodo Schäfer

Da Zero Waste eine Lebenseinstellung ist, finden sich auch in allen Bereichen deines Alltages verschiedene Stellschrauben, um ernsthaft Müll zu reduzieren. Denke zum Beispiel an deinen Verbrauch an Papiertaschentüchern, den du ganz easy mit Stofftaschentüchern ersetzen kannst. Oder im Badezimmer, wenn du statt Einwegwaschlappen wiederverwendbare Waschlappen benutzt und damit auch gleich noch Watte-Pads zum Abschminken ersetzt. Dein Duschbad und Shampoo ersetzt du durch Seife und für deine Monatshygiene nutzt du statt Tampons oder Vorlagen eine Menstruationstasse, die es in jedem Drogeriemarkt zu kaufen gibt. Schon hast du ein fast Müll freies Badezimmer geschaffen. Was für eine Befreiung!

Schaue dich in der Küche um, gibt es Bereiche zum Beispiel beim Einkaufen, bei denen du statt Einweg auf Mehrweg wechseln kannst? Ich habe für unsere Familie zum Beispiel den Wocheneinkauf verändert und wir gehen ab jetzt immer mit Stoffbeuteln, Gemüsenetz und Behältern für Käse und Fleisch los. Außerdem heben wir die Eierverpackungen auf und verwenden sie beim nächsten Mal einfach wieder. Genau das gleiche machen wir mit Honig. Wenn ich Honig auf dem Markt kaufe und die Gläser zurückbringe, erhalte ich 20ct Erstattung. Ein super System um Ressourcen zu sparen, und gleichzeitig unterstütze ich den lokalen Imker mit meinem Einkauf statt irgend einen großen Konzern.

Ich habe das Glück, daß ich in unserer Kleinstadt fußläufig an einem Samstag mit drei Stopps unseren ganzen Wocheneinkauf erledigen kann. Das hilft ungemein und ich habe totales Verständnis dafür, dass niemand seinen Alltag absichtlich verkomplizieren wird. Es macht ökologisch auch wenig Sinn, weite Strecken mit dem Auto bis zum nächsten Unverpacktladen zu fahren, aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, daß es kleine Dinge sind, die sich einfach umstellen lassen und dadurch signifikant den Müll reduzieren. Schau einfach mal genau hin.

Ein Tipp, den ich euch noch geben möchte, ist zum Beispiel auf das Konzept des Cradle to Cradle zu achten. Wir kaufen zum Beispiel unser Toilettenpapier von Satino jetzt bei Hygi in der Jahresverpackung und haben dadurch weniger Müll, größere Rollen und kein Plastik mehr. Das Cradle to Cradle Konzept bedeutet, dass Produkte von vornherein so designed und produziert werden, dass möglichst alle Rohstoffe im Kreislauf des Produktlebenszykluses bleiben können. Ein sehr nachhaltiger Ansatz, der sich in Zukunft bestimmt noch viel mehr durchsetzen wird. Ein weiterer Tipp wäre Einkaufsgemeinschaften zu bilden, um große Verpackungseinheiten in individuelle Mengen aufzuteilen. Schon habt ihr wieder etwas Müll eingespart. Damit gründet ihr im privaten euren eigenen Unverpacktladen, wenn es so ein Angebot nicht in der Nähe gibt. 

 

Die Essentials, die dein Leben im Zero Waste Stil ermöglichen und einfacher machen

  • Stoffbeutel, Gemüsenetze und kleine Beutel für Brot, Gemüse, Nüsse etc

  • Einmachgläser in verschiedenen Größen, um darin die Vorräte aufzubewahren, einzufrieren, für den Einkauf und um Unterwegs zum Picknick oder zur Arbeit Essen mitzunehmen

  • Picknickbesteck aus Bambus oder Metall und ein Stofftaschentuch, um unterwegs zu essen

  • Ersetze die Papierservietten durch Stoffservietten. Die sind auch für Unterwegs sehr hilfreich, um einen Snack einzuwickeln, sich die Hände abzutrocknen oder als Unterlage zu dienen

  • ersetze Küchentücher aus Papier mit Geschirrtüchern aus Stoff

  • statt Papiertaschentücher kommen Stofftaschtücher zum Einsatz

  • Trinkflaschen aus Glas oder Edelstahl für zu Hause aber auch für unterwegs

  • isolierte Becher mit weitem Rand für den Kaffee unterwegs

  • einen "Keine Werbung" Aufkleber für den Briefkasten, um zu vermeiden, dass unnötig Müll in die Wohnung gelangt

  • Gratisgeschenke ablehnen

  • besorge für dich und deine Familie einen Bibliotheksausweis oder tausche Bücher

  • ersetze Batterien durch Akkus

Wie fühlst Du dich? Ist das ein Lebensstil, denn du gerne ausprobieren wirst? Oder sagst du nee, lass mal? Schreibe es mir und hinterlasse einen Kommentar.

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