Warum die Präsidentschaftswahl in Brasilien uns alle angeht!

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Am 28. Oktober 2018 wurde der Rechtspopulist Jair Bolsonaro zum neuen Präsidenten in Brasilien gewählt und tritt sein Amt im Januar 2019 an. Eigentlich ist Brasilien für uns hier in Deutschland sehr weit weg und auch wenn über die Handelsbeziehungen und Globalisierung mittlerweile alle Volkswirtschaften auf der Welt miteinander irgendwie verbandelt sind, war es bisher für uns sehr einfach zu ignorieren, was da in Brasilien passiert.

Das ändert sich aber seit dem Wahlergebnis dramatisch. In Brasilien ist jetzt nicht nur ein Mann Präsident der genauso, wie Donald Trump eine neue Ära der Schockpolitik einführt und damit auch politisch so erfolgreich ist wie Herr Trump, sondern es ist ein Mann zum Präsidenten gewählt worden, für den der Umweltschutz, die indigenen Völker, der Artenreichtum Brasiliens und der Einfluss der Regenwälder auf das gesamte Klima unseres Planeten überhaupt keine Rolle spielen. Im Gegenteil! Jair Bolsonaro ist mehr als bereit, für einen kurzfristigen wirtschaftlichen Aufschwung sämtliche Naturschutzgebiete und den gesamten Amazonas zu opfern.

Bereits Alexander von Humboldt hat in seinen Forschungsreisen durch den Amazonas die einzigartige Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt beschrieben und sein Leben lang von diesen Erfahrungen gezehrt. Er hat aber auch als einer der ersten die Zusammenhänge zwischen der wachsenden Landwirtschaft, der Abholzung des Regenwaldes und des Einflusses auf unser Klima erkannt und zu einem nachhaltigen Umgang mit diesem für uns alle unvergleichbar wichtigem Gebiet gemahnt. Und heute? Kommt ein Mann daher, der den Extraktivismus, das heißt den intensivsten Abbau von Rohstoffen ohne Rücksicht auf Verluste, noch ausbauen möchte. Der das Pariser Klimaabkommen für Brasilien aufkündigen möchte, der das Umweltministerium dem Agrarministerium unterstellt und damit die Beschützer der Natur den größten Zerstörern der Natur ausliefert. Man kann sich an dieser Stelle fragen, was die Brasilianer bewegt hat, so einen Mann zu wählen. Mann muss sich an dieser Stelle aber auch fragen, warum der Abbau der Rohstoffe, die Massentierhaltung von Rindern, die Abholzung von Tropenhölzern noch immer so lukrativ ist, dass das kurzfristige Profitdenken alles anderen Belange beiseite schieben kann!

Die Antwort liegt auch bei uns selbst. Denn durch unseren Konsum, unseren Wunsch nach materiellen Waren, Fast Fashion, Rindfleisch, billigem Holz und noch vielem mehr, werden immer mehr wertvolle Rohstoffe verbraucht. Irgendwo müssen die ja herkommen und das tun sie zurzeit hauptsächlich aus Lateinamerika. Verschifft nach Asien zur Produktion und dann als Billigimporte nach Europa um die Läden zu füllen.

Brasilien ist momentan im Fokus und in unseren Medien, da der neue Präsident polarisiert und sich mit unhöflichen und populistischen Aussagen Gehör verschafft, aber das gleiche passiert in ganz Südamerika.

Die Globalisierung hat dafür gesorgt, dass die Wirtschaft auf der ganzen Welt miteinander verflochten ist. Es sind aber auch die Probleme, Lösungen und Umweltsorgen weltweit miteinander verflochten. Es ist wichtig global zu denken und lokal zu handeln. Durch die Wahl in Brasilien können wir momentan nur hoffen, dass dieser neue Präsident seine Vorstellungen nicht in die Tat umsetzt und das der Amazonasregenwald geschützt bleibt. Noch auf dem Klimagipfel in Paris 2015 kamen die größten Forderungen zur Begrenzung der Erderwärmung von Brasilien und seinen Vertretern. Ich hoffe, dass diese Umweltschützer nicht verstummen und weiter kämpfen.

In der Zwischenzeit, können wir bei uns selbst anfangen und schauen, welchen Einfluss wir auf die Wirtschaft und Landwirtschaft durch unser Handeln hier vor Ort haben. Wir können durch unser nachhaltiges Leben Zeichen setzen und Veränderungen anstoßen, die am Ende vielleicht globale Auswirkungen haben. Was in die eine Richtung funktioniert, funktioniert auch in die andere Richtung. Oder?